Weißrussische Gäste haben die Sonne nach Niederlibbach mitgebracht

Als der Bus aus der Weißrussischen Stadt Slavgorod in Niederlibbach ankam, schien die Sonne – vom Himmel und in den Herzen der Menschen. 28 Kinder und ihre drei Lehrerinnen aus der Nähe von Tschernobyl sind am frühen Abend nach einer insgesamt 36-stündigen Busfahrt glücklich angekommen. Die Freude war auf beiden Seiten riesengroß. Die Kinder werden bis zum 27. Juni zur Erholung bei Gastfamilien in Niederlibbach und Umgebung sein. Im Vorfeld des Besuches waren Briefe und Bilder ausgetauscht worden und so fiel es leicht, dass sich Gasteltern und Gastkinder schnell fanden. Am ersten Abend waren die Gäste erschöpft - aber auch sehr aufgedreht. Einige konnten die halbe Nacht kaum Schlaf finden. So manches liebevoll hergerichtete Kinderzimmer wurde kaum benutzt, auch weil die Kinder es nicht gewöhnt sind, alleine zu schlafen. In ihrer Heimat teilen sich die Familien häufig nur eine Zweizimmerwohnung. Da ist es nicht so einfach, in fremder Umgebung mit vielen neuen Eindrücken plötzlich alleine in einem Zimmer schlafen zu sollen.

Doch schon am nächsten Morgen, bei strahlendem Sonnenschein, sah man nur fröhliche Gesichter. Die Jungen aus Niederlibbach und aus Slavgorod haben eine gemeinsame Leidenschaft, nämlich Fußball spielen. Das tun sie ausgiebig und ohne eine Spur von Verständigungsschwierigkeiten auf dem Bolzplatz. Auch die Mädchen haben sich schon gefunden und sind kaum noch zu unterscheiden, wenn sie ihre Köpfe zusammen stecken. Die Lehrerinnen, die am liebsten eine Standleitung zu jedem Kind hätten, um permanent über das Wohlergehen ihrer Schützlinge auf dem Laufenden zu sein, sind nach einem Rundgang durch das Dorf beruhigt. Nach einigen Telefonaten bei den Gasteltern außerhalb Niederlibbachs sind vorerst alle Fragen geklärt und auch die drei Frauen können sich ein wenig entspannen.

Im evangelischen Gemeindehaus gab es dann einen Kleiderbasar, wo sich alle Kinder Hosen, T-Shirts, Jacken und vieles Andere mehr aussuchen konnten. Reißenden Absatz fanden insbesondere Fußballschuhe. Eine überwältigende Spendenflut hatte nach einem Aufruf in der Presse eingesetzt. Viele Sachen waren noch nagelneu und die Kinder waren begeistert, was sie alles mitnehmen durften.

Überhaupt ist es unglaublich, auf wie viel positive Resonanz die Aktion zur Erholung der Kinder in der Region trifft. Nachdem klar war, dass der Besuch realisiert werden kann und während des Aufenthalts eine Tagesbetreuung im Dorfgemeinschaftshaus organisiert wird, fanden sich spontan viele Helferinnen und Helfer. So werden die Kinder an jedem Tag ihres Aufenthaltes zum Mittagessen eingeladen. Die Niederlibbacher Frauen freuen sich schon, wenn sie für die Kinder und ihre Lehrerinnen Mittagessen herrichten können. Von Schnitzel mit Pommes über Ofenkartoffeln mit Quark, Kartoffelsalat mit Würstchen, Nudelgerichten und Pizza bis hin zu diversen Suppen und leckeren Nachspeisen soll alles angeboten werden, was Kinder gerne mögen.
Auch für Beschäftigung wird gesorgt. Rolf Bach bereitet schon seit Monaten Material für den jeweils an den Donnerstagen stattfindenden Basteltag vor. Andrea Fröhlich wird mit den Kindern zusammen malen und der Kreativhof in Wingsbach beteiligt sich mit Töpferkursen an der Aktion. Die SG Orlen lädt die Kinder zum Zelten ein und es sind Ausflüge in den Opelzoo, das Taunuswunderland sowie eine Schifffahrt auf dem Rhein geplant.

Während der offiziellen Begrüßung der Gäste in der Kirche freuten sich Bürgermeister Michael Hofnagel, Ortsvorsteher Dieter Weiß, der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch sowie Rüdiger Müller-Gerbes vom Verein „Kinder von Tschernobyl“ über die positive Resonanz und großzügige Spendenbereitschaft. Neben zahlreichen Privatpersonen ließen es sich viele Firmen (allen voran die Naspa-Stiftung, die Firmen Brita, Dittmann, Innenausbau-Lange aus Kelkheim, der Taunus-Grußkarten-Verlag, das Busunternehmen Mohn, das Hessische Sozialministerium und das Hessische Innenministerium) nicht nehmen, die Aktion zu unterstützen. Ihnen Allen dankt die Projektgruppe des Vereins „Unser-Dorf Niederlibbach“ um Roswitha Kacmaczyk herzlich. Ohne diese Hilfe hätte der Besuch niemals realisiert werden können. Die Mini-Maxis unter Leitung von Heidi Kopetzki aus Oberlibbach begrüßten die Gäste aus Weißrussland musikalisch mit dem Lied „Schön dass ihr gekommen seid – alles ist für euch bereit, einen schönen Aufenthalt, dass ihr immer fröhlich seid. Herzlich willkommen“. Dem ist nichts hinzuzufügen. Dass es genauso ist und wie gut der Aufenthalt den Kindern schon jetzt tut, das sieht man auf den ersten Blick.