Christvesper in der evangelischen Kirche

"Ein Stern erstrahlte in dunkler Nacht"

Zur Christvesper in Niederlibbach gehört seit 25 Jahren eine Motette von Martin Binger


Der gemischte Chor des SKV Oberlibbach unter der Leitung von Brigitta Busch bei der Probe der Weihnachtsmottette.
wita/Fromme

Vom 23.12.2006 - Wiesbadener Kurier:
Aus der Christvesper an Heiligabend in der Niederlibbacher Kirche ist sie nicht mehr wegzudenken. Immer am Ende erklingt die Weihnachtsmotette "Ein Stern erstrahlte in dunkler Nacht" von Martin Binger. Seit 25 Jahren.
 
Von Mathias Gubo

"Keiner kann sich dieser Wirkung entziehen", versichert Pfarrer Jürgen Noack glaubhaft. "Erst dann beginnt für uns Weihnachten", betont Hilde Schnabel, die als Sängerin im gemischten Chor des SKV Oberlibbach noch keine Aufführung versäumt hat. "Das geht durch und durch".

1981 wurde die vom ehemaligen Niederlibbacher Organisten Martin Binger, einst Dirigent und Chordirektor in Mainz, zuletzt in Wiesbaden, komponierte Motette erstmals in Niederlibbach aufgeführt. Das berühmte "Stille Nacht" ist ein wichtiger Bestandteil der Komposition für Sopran, vierstimmigen gemischten Chor, Flöte und Orgel. Der Text übrigens stammt von Anni Gerhard nach einer Szene aus dem Bühnenmärchen "Das Himmelslied" von Sigurd Baller.

Martin Binger hatte nach seiner Übersiedlung nach Niederlibbach die Weihnachtskonzerte ins Leben gerufen, die auch heute noch immer am 3. Advent stattfinden. Seine Weihnachtsmotette ist fester Bestandteil der Christvesper, das große Finale sozusagen. Der Aufbau der Motette gibt dies quasi vor: Nach dem Vorspiel von Orgel und Flöte setzt der Sopran mit "Ein Stern erstrahlte" ein, in der dritten Strophe singt die Sopranistin dann das "Stille Nacht", dazu summt der Chor. Es folgen die drei Strophen mit dem Chor und dem Sopran als Oberstimme, die Motette schließt mit einem strahlenden Halleluja des Soprans und des Chores.

"Dann ist es danach oft minutenlang still", erzählt Pfarrer Noack, der inzwischen selbst im Oberlibbacher Chor mitsingt. Dieser Chor stimmt die Weihnachtsmotette seit 25 Jahren immer unter der Leitung von Brigitta Busch an, die gerne zugibt, dass sie sich an dieser Komposition nicht satt hören kann. "Dieses Werk passt einfach hier in diese Kirche." Nicht nur sie kann sich der Faszination dieser Musik offenbar nicht entziehen. Bis 2 000 sang Waltraud Kaiser-Arndt das Sopran-Solo, seitdem Kirsten Sommer. Die Flöte spielt Julia Busch, eine studierte Geigerin. Sie war als siebenjährige Chorsängerin bei der ersten Aufführungen schon dabei, "musste" dann aber den Flötenpart übernehmen, ihrer Mutter Brigitta Busch zu Liebe. Doch eine Nachfolgerin für die Flötistin ist bei den Proben schon dabei, die kleine Sophie nämlich lernt fleißig Flöte. An der Orgel spielt in diesem Jahr erstmals Frank Rosenberger, Martin Binger hatte bis zu seiner Erkrankung Anfang der 90er Jahre dieses Aufgabe übernommen.

"Stille Nacht" entstand 1818 in Oberndorf bei Salzburg. Der Text stammt von Pfarrer Joseph Mohr, die Melodie komponierte Franz Xaver Gruber. Erstmals erklang das Lied am 25. Dezember 1818 in der Kirche zu Oberndorf. Diese Aufführung wiederholte sich jährlich, langsam wurde das Lied dann in ganz Österreich gesungen. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kam "Stille Nacht" nach Deutschland. Man weiß von Aufführungen in Dresden, Leipzig und Berlin. Inzwischen singt man es in der ganzen Welt.

Doch die Weihnachtsmotette von Martin Binger nur in Niederlibbach. Hartmut Waldschmidt und seine Frau kommen extra aus Neuhof, um im Chor mitzusingen. Und das aus gutem Grund: "Wir müssen nicht schon eine Stunde vorher in der Kirche sein, um noch einen Platz zu bekommen", sagt der Neuhofer unter dem Gelächter seiner Mitsängerinnen und Sänger. Denn aus nah und fern kommen die Menschen inzwischen zur Christvesper, die an Heiligabend um 17 Uhr in der Niederlibbacher Kirche beginnt. Sie alle freuen sich auf das "Himmelslied".