Artikel aus dem Wiesbadener Kurier vom 20. Juni 2007

Fliegenplage sucht Niederlibbach heim

Auslöser sind 300 Tonnen Hühnertrockenkot aus Holland / Heute Abdeckung mit Kompost


Einer von vier großen Haufen Hühnertrockenkot, der Auslöser für die Fliegenplage in Niederlibbach.
wita/Mallmann
Vom 20.06.2007

NIEDERLIBBACH Eine Fliegenplage sucht derzeit den Taunussteiner Stadtteil Niederlibbach heim. Der Grund sind vier große Haufen mit Hühnertrockenmist aus Holland, die ein Landwirt als Dünger nach der Ernte unterpflügen will.  
Von

Mathias Gubo

Grillen ist in Niederlibbach derzeit kaum möglich, zu groß ist die Belästigung durch Unmengen von Fliegen. "Nach Anlieferung des Mistes hatten die Leute zum Teil Hunderte von Fliegen in der Wohnung, Feiern im Freien endeten im Fiasko", beschreibt Ortsvorsteher Dieter Weiß die Situation. Er selbst habe mit seiner Frau mit zwei Staubsaugern über eine Stunde lang Fliegen von den Wänden seiner Wohnung gesaugt. "Bei einem Bekannten war die Decke der neu gestrichene Küche regelrecht schwarz vor Fliegen. Die Arbeit war umsonst", so Weiß weiter. Spaziergänger seien geflüchtet, weil der Gestank unerträglich ist und sie von den Insekten regelrecht überfallen wurden. Wie soll das weiter gehen wenn es jetzt richtig heiß wird, fragt sich der Niederlibbacher Ortsvorsteher.

Landwirt Hans-Werner Scherf aus Panrod, der Flächen um Niederlibbach bewirtschaftet und die 300 Tonnen Hühnertrockenmist als Dünger in Holland gekauft hat, bedauert die Entwicklung außerordentlich. Er hat laufend Kontakt mit dem Ordnungsamt der Stadt Taunusstein und ist darum bemüht, der Fliegenplage Herr zu werden. Plastikplanen, die er über die vier Haufen hat legen lassen, scheinen bisher nichts zu nutzen. Deshalb soll heute Kompost von der Kompostierungsanlage in Orlen angeliefert werden, um 25 bis 30 Zentimeter dick auf die Misthaufen verteilt zu werden. Vorher wolle man die Fliegen noch chemisch abtöten, so Scherf gestern auf Anfrage. Sollte dies noch nicht reichen, dann sollen auch die Planen wieder über die Haufen gelegt werden. Dann, so hofft der Landwirt aus Panrod, "sterben die Fliegeneier vollends ab". Er wolle auch weiterhin sein gutes Verhältnis zu den Niederlibbacher Bürgern pflegen, versichert Scherf. Sollten alle Maßnahmen nichts nützen, "dann wird das Zeug wieder abgefahren", versichert er.

"Wir wissen in Niederlibbach sehr wohl, dass wir auf dem Land leben. Wir rümpfen nicht die Nase, wenn die Felder gedüngt werden und wenn sonntags der Mähdrescher läuft, dann ist das auch in Ordnung", sagt Ortsvorsteher Weiß. Er fürchtet eine etwaige Gewässer- und Bodenverunreinigung, weshalb Weiß bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden Umweltanzeige erstattet hat.

Sein Vorgehen sei rechtens und mit den Behörden abgestimmt, betont Hans-Werner Scherf und verweist auf eine entsprechende Genehmigung des Hessischen Umweltministeriums. Auch die notwendigen Unbedenklichkeitsbescheinigungen und chemischen Analysen lägen vor. Er sei auf Hühnertrockenkot als Dünger ausgewichen, weil Phosphat inzwischen sehr teuer sei und er Tiermehl als Dünger nicht einsetzen wolle. Mit dem Hühnertrockenkot mache er "kein Geschäft, dies ist auch keine Abfallentsorgung". Vielmehr enthalte der Hühnerkot sehr viel Phosphat, der wichtig sei für die Landwirtschaft. Scherfs Plan ist es bisher, den Hühnerkot in vier Wochen sofort nach der Ernte einzupflügen und dann Raps zu säen. Diese Pflanze könne den frei werdenden Stickstoff besonders gut aufnehmen. Die notwendige Düngemittelbilanz sieht vor, dass im Durchschnitt acht Tonnen Hühnertrockenkot auf einem Hektar ausgebracht werden. Die vier Haufen sollen für 35 Hektar reichen. Warum es nun zu dieser Fliegenplage gekommen ist, kann sich der Landwirt auch nicht erklären. Möglicherweise sei der Hühnerkot schon mit den Fliegeneiern verseucht gewesen, so seine Vermutung.