"Doping mit Äppelwoi und Weißbier"

Niederlibbacher wollen ihre Triathleten beim Ironman 70.3 besonders lautstark anfeuern


Trainieren eisern für den Ironman 70.
3 in und um Wiesbaden: (von links) Mathias Christmann, Doro Karbach (vom Rad verdeckt) und Bernhard Käsdorf.
RMB/Kühner
Vom 11.08.2007

NIEDERLIBBACH Einen besonders lautstarken Empfang will man in Niederlibbach den Teilnehmern des Ironman 70.3 am 19. August machen. Der Grund: Vier Teilnehmer kommen aus Niederlibbach.  
Von

Mathias Gubo

1,9 Kilometer Schwimmen im Schiersteiner Hafen, 90 Kilometer auf dem Rad von Schierstein über Walluf, Eltville, Kiedrich, Hausen, das Wispertal nach Heidenrod, dann in das Aartal und über Breithardt, Strinz-Margarethä und Niederlibbach über die Hühnerstraße nach Wiesbaden zum Kurhaus und von dort dann noch 23,1 Kilometer Laufen. Stefan Ungethüm, Thomas Beutler, Mathias Christmann und Bernhard Käsdorf, die alle für die SG Orlen starten, haben sich viel vorgenommen. Und damit ihnen bei der Durchfahrt durch ihr Heimatdorf eine richtige Gänsehaus kommt, hat sich auch Markus Müller, Gastwirt vom "Schützenhof", viel vorgenommen. Mit Plakaten und Transparenten sollen die Niederlibbacher ihre "eisernen Männer" anfeuern. Um 10 Uhr beginnt ein zünftiger Frühschoppen, die ersten Radfahrer werden gegen 12 Uhr erwartet. "Doping mit Äppelwoi und Weißbier", verspricht Müller.

Dora Karbach, Triathletin aus Österreich und Trainingspartnerin der Niederlibbacher Athleten, hat einen ganz besonderen Wunsch: An der Steigung hinter Oberlibbach hoch zur Hühnerstraße sollten möglichst viele Menschen mit möglichst lauter Musik stehen und die Sportler anfeuern. "Ein Spalier mit wummernder Musik, das hilft jeden Berg hoch", weiß die Frau aus Saalfelden, die jüngst erst am Ironman Austria in Klagenfurt teilgenommen hat. Für den Ironman in Wiesbaden hat sie sich eine Zeit um sechs Stunden vorgenommen.

Etwas schneller wollen Bernhard Käsdorf und Mathias Christmann aus Niederlibbach die Distanz bewältigen. 70.3 steht übrigens für die Länge von 70,3 Meilen. Käsdorf will möglichst nach fünf Stunden ins Ziel kommen, Christmann noch etwas schneller. Er spricht nicht gerne darüber, aber eigentlich hat er die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Florida im Auge.

Für den Triathlon hat Bernhard Käsdorf, dessen Spezialdisziplin das Radfahren ist, noch das Kraulen gelernt. Schwimmtraining ist im Freibad in Hahn, im Winter im Hallenbad in Diez. Mit Dora Karbach hat er jetzt schon einmal die Radstrecke durch den Untertaunus abgefahren. Die Triathletin aus Österreich war sichtlich beeindruckt. Immerhin warten 1 500 Höhenmeter auf die Teilnehmer, die selten Zeit haben werden, sich auf ihrem Zeitfahrlenker ein wenig auszuruhen. Nicht nur Karbach wünscht sich für den 19. August gutes Wetter, wenn auch keine Hitze. Denn regennasse Straßen wären besonders auf den Steilstrecken mit zum Teil gefährlichen Schaglöchern kein Vergnügen für die "Eisenmänner".

Triathlon sei das "Ausloten der persönlichen Grenzen" beschreibt Mathias Christmann die Faszination seines Sportes. Eigentlich sei man nie mit sich zufrieden, immer habe man das Gefühl, es könnte noch ein wenig schneller gehen. Deshalb trainieren die vier Triathleten aus Niederlibbach seit drei Jahren regelmäßig vier Mal pro Woche. So kommen 200 bis 300 Kilometer auf dem Rad, 20 bis 40 Laufkilometer und fünf geschwommene Kilometer zusammen. Gestartet ist das Team der SG Orlen schon bei Triathlons in Österreich, in München, Berlin, Frankfurt, Bonn und natürlich in Roth. Christmann auch beim Ironman in Frankfurt. "Triathlon ist wie eine Sucht", sagt Käsdorf, "wenn man einmal damit angefangen hat, dann kommt man kaum davon los".

Noch sind die Triathleten aus Niederlibbach ohne Sponsor, doch sie geben die Hoffnung nicht auf. Ortsvorsteher Dieter Weiß jedenfalls ist überzeugt, dass eine stimmgewaltige Kulisse sie durch das Dorf "schreien" wird. "Wir wollen zeigen, dass die Dorfgemeinschaft bei so etwas mitmacht, denn wir sind ein dolles Dorf". Einen Musikwunsch hat Käsdorf für seine Durchfahrt bereits angemeldet: "Highway to hell"