WIESBADENER KURIER
Wann wird Niederlibbach "Dolles Dorf"?

Notfallplan für den Besuch eines HR-Fernsehteams liegt in vielen Schubladen parat


Ortsvorsteher Dieter Weiß (rechts) zu Besuch bei Motorradsammler Bernd Albus, der immer etwas über seine Oldtimer erzählen kann.
wita/Mallmann

Blick auf das "dolle Dorf" Niederlibbach.
wita/Mallmann
Vom 14.07.2007

NIEDERLIBBACH Immer donnerstags wird in der "Hessenschau" ein "Dolles Dorf" ausgelost. Der Taunussteiner Stadtteil Niederlibbach ist auf den möglichen Besuch eines HR-Teams gut vorbereitet. Dafür hat man nämlich einen "Notfallplan".  

Von Mathias Gubo

Was tun, wenn Niederlibbach "Dolles Dorf" wird? Diese Frage hat Sascha Letsche eines Tages im Kreise von Freunden und Bekannten gestellt, und gleich eine Lösung vorgeschlagen: Ein Notfallplan für den Besuch eines HR-Teams im Taunussteiner Stadtteil muss her. "Wir wollen einen guten Eindruck machen", waren sich alle Beteiligten einig, also übernahm es Manfred Krieger, einen solchen Notfallplan zu erstellen. Dieser legt eine Telefonkette fest, damit im Schneeballsystem alle Mitglieder des Vereins "Unser Dorf" und die Vorsitzenden der örtlichen Vereine informiert werden. Treffpunkt ist dann das Dorfgasthaus "Schützenhof", das seit bereits 127 Jahren in Niederlibbach existiert. Ein würdiger Ort also, um das Fernsehteam zu begrüßen.

Früher hieß die "Dolles Dorf"-Auslosung in der "Hessenschau" noch AIDA, also "Aufbruch in den Alltag". Dieser Titel wäre Niederlibbachs Ortsvorsteher Dieter Weiß heute eigentlich viel lieber. Denn: "Wir wollen keine Darbietungen liefern, nicht vor der Kamera rumkaspern", haben sich die Niederlibbacher vorgenommen. Vielmehr wollen sie in der "Hessenschau" rüberbringen, welchen Stellenwert die Geschichte, die Tradition und die Dorfgemeinschaft in Niederlibbach noch haben. "Wir wollen zeigen, was den Niederlibbachern ihr Dorf so lebens- und liebenswert macht", sagt Weiß. Der Notfallplan soll dabei helfen.

Weil den Niederlibbachern bewusst ist, "dass das Fernsehen nicht nur normale Menschen will", so der Ortsvorsteher mit einem Augenzwinkern, hat man sich genau überlegt, wen man alles vorstellen könnte. Die beiden Hobbykünstlerinnen Renata Held und Gudrun Stangenberger beispielsweise, das außergewöhnliche Zeitungsarchiv von Günter Held oder Walter Kaltwasser mit seinem Lanz Bulldog. Und natürlich den Motorradsammler und -schrauber Bernd Albus, der schon mit 13 Jahren ohne Führerschein Moped gefahren ist und heute eine feine Sammlung von Oldtimer-Motorrädern besitzt.

Sein schönstes Stück ist eine Ardie von 1929, einst in Eltville gekauft und aufwändig restauriert, und selbstverständlich fahrbereit. Wie auch die Zündapp DB 201 mit Konfektionsmotor Baujahr 1956 oder die NSU Max mit Seitenwagen. Für den nahenden Winter hat sich Debus, der zu jedem seiner Motorräder eine schöne Geschichte erzählen kann, ein Kreidler Florett-Moped als neue Aufgabe vorgenommen. Der technische Zeichner ist jetzt im Ruhestand und hat dafür ein wenig mehr Zeit.

Bleibt nur die Frage, wie viel Zeit dem dollen Niederlibbach in der "Hessenschau" irgendwann einmal eingeräumt wird? Können die Niederlibbacher etwas über die 825-jährige Geschichte ihres Dorfes erzählen, über ihre Kirche, die die Bewohner 1975 in einer einzigartigen Gemeinschaftsaktion renoviert haben? Gemeinschaftssinn zeichnet die Niederlibbacher noch heute aus. Beim "Busfrühstück" der Eltern der Kindergartenkinder (diese Zeitung berichtete darüber) beispielsweise, oder bei der derzeit laufenden Renovierung des Platzes an der Kirche.

Doch die Niederlibbacher sind auch stolz auf besondere Persönlichkeiten in ihren Reihen: den Dirigenten und Komponisten Dietmar Walter, den Maler, Kostümbildner und Bühnenbildner Dirk Hofacker oder den verstorbenen Komponisten Martin Binger.

Nicht vergessen wird im Notfallplan auch das Brauchtum, das im Dorf gepflegt wird: das Ehestandslied, das die Dorfgemeinschaft bei Jubiläen singt, das "Maimännchen" der Kinder oder das Dorftheater. Die nächsten Proben beginnen im Oktober. Dass auch gefeiert wird, versteht sich in Niederlibbach fast von selbst. Ob beim Spritzenhausfest, beim Martinsumzug, beim Weihnachtsmarkt oder bei der Kappensitzung. Die Liste im Notfallplan ist lang. Bleibt also nur noch die Frage, die fast alle Niederlibbacher jeden Donnerstag kurz vor 20 Uhr bewegt: "Wann werden wir Dolles Dorf?" Übrigens: Auch der Kurier steht auf der Telefonliste, damit dann ausführlich über das "Dolle Dorf" berichtet werden kann.