Onkel Theo kommt direkt ins Wohnzimmer

In Niederlibbach gibt es kein Theater von der Stange / Hertha Jahrmarkt und ihr trinkfreudiger Ehemann


Dorftheater im Dorfgemeinschaftshaus Niederlibbach: "Onkel Theo kommt".RMB/Kühner

Vom 20.05.2008
Von Alexandra Ehrhardt

NIEDERLIBBACH Nicht nur die Schauspieler haben sich in ihren Rollen zuhause gefühlt. Auch das Publikum fühlte sich im Dorfgemeinschaftshaus, dekoriert mit Kerzen und Servietten, verköstigt mit zünftigen, kleinen Mahlzeiten und guten Weinen, wie daheim. "Das Wichtigste ist uns, dass eine familiäre Atmosphäre hergestellt wird, die Zuschauer miteinbezogen werden und sie das Gefühl haben, bei uns im Wohnzimmer zu sitzen", sagte der Regisseur der Niederlibbacher Theatergruppe, Dieter Weiß, kurz vor der Premiere des aktuellen Stücks "Onkel Theo kommt".

In Niederlibbach, wo seit 1994 Theater gespielt wird, gibt es keine Stücke von der Stange. Alle Geschichten werden von der Gruppe so umgeschrieben, dass sie auf den Leib der Akteure passen und sich - sehr zum schmunzeln des Publikums - in das Dorfgeschehen in Niederlibbach einfügen. Diesmal entführten die neun Laienschauspieler vor ausverkauftem Haus in die Gaststätte "Zum blauen Wirt". Mit viel Liebe zum Detail hatte Bühnenbildnerin Gaby Bartholomäi eine Kneipe arrangiert, die so authentisch aussieht, dass man sich am liebsten einfach dazu setzen möchte.

Hier, in dem urigen Gasthof brechen gleich zwei unvorhergesehene Ereignisse über die Wirtsfamilie Spinner (Silvia Klein als Frau Spinner, Thomas Behring als Herr Spinner und Daniela Menz als Tochter Spinner) herein: Zum einen will die Vermieterin Frau Bammel (Marion Haberlah) ihr Grundstück verkaufen, zum anderen kündigt sich plötzlich Onkel Theo (Ralf Schütte) an. Noch bevor der Onkel die Kneipe betritt, ist die Stimmung nicht die beste, ist Theo doch dafür bekannt, den Spinners auf der Tasche zu liegen, obwohl er doch angeblich reich ist. Und dann sind da auch noch Chantal (Denise Bartsch) und Ronny Berlinger (Sascha Letsche), die die Gaststätte in eine Spielhölle verwandeln wollen. Komplettiert wird das Ensemble von dem sich ständig streitenden Ehepaar Jahrmarkt. Ein Augenschmaus ist Christine Bach als Hertha Jahrmarkt, wie sie stets mit Lockenwicklern im Haar ihren Mann vom Bierkonsum abhalten will, der wiederum mit jedem Gläschen mehr nur noch betrunkener wird und das Happy End zum Schluss auf dem Boden liegend mitverfolgt.

In einem halben Jahr Probezeit hat das Team um Regisseur Weiß ein Stück auf die Beine gestellt, dass sein Publikum leichtfüßig fast drei Stunden lang durch den Abend geleitete. Da ist Achim Lesser als Karl Jahrmarkt, der selbst dann, wenn er eigentlich gerade nicht aktiv spielt, noch in seiner Rolle steckt oder die beiden jungen, gerade mal 15 Jahre alten, Nachwuchsschauspielerinnen Denise Bartsch, die so wunderbar nervtötend-peinlich die Chantal mit weichem "d" gibt sowie Daniela Menz als Anja Spinner, die souverän ihrer Rolle als frecher Junior-Kellnerin gerecht wird.